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Die
Nachteile eines bedingungslosen
Grundeinkommens
Fortsetzung
des Artikels
Welche
Vor- und Nachteile bietet ein bedingungsloses
Grundeinkommen?
1.
Nachteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Fragwürdige
Finanzierbarkeit
Ob
ein Grundeinkommen auf Dauer finanzierbar ist, lässt
sich seriös nur im realen Feldversuch ermitteln. Denn
die schönsten theoretischen Berechnungen können
nicht berücksichtigen, wie sich die gesellschaftliche
Leistungsbereitschaft durch das Grundeinkommen
verändert.
Wenn überhaupt, scheint nach heutigen Erkenntnissen nur
ein Grundeinkommen auf niedrigstem Niveau realisierbar,
deutlich unter den heutigen Hartz-IV-Niveau. Dies nicht nur
aus finanziellen Gründen, sondern auch um den
Arbeitsanreiz einigermaßen aufrecht zu
erhalten.
Unter
welchen Umständen ein Grundeinkommen möglich
wäre und wie die Durchsetzung vonstatten gehen
könnte, erfahren Sie
hier.
2.
Nachteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Die
Hang zur Bequemlichkeit
Niemand
weiß heute, wie Menschen reagieren, wenn der Zwang zur
Arbeit wegen staatlicher Alimentierung entfällt. Es ist
damit zu rechnen, dass sich ein stetig wachsender Teil der
Bevölkerung mit dem Grundeinkommen arrangiert und
selbst von möglichen Hinzuverdiensten allmählich
Abstand nimmt. Je höher das Bürgergeld
ausfällt, desto größer die Gefahr
zunehmender Trägheit.
Die
heutige Arbeitswelt und das Konsumverhalten wird wesentlich
vom inneren Leistungsdruck getragen - niemand möchte
gegenüber seinen Nachbarn oder Arbeitskollegen
zurückstehen. Das Selbstwertgefühl gebietet, in
möglichst vielen Belangen mithalten zu können.
Wenn aber dieser Leistungsdruck erst einmal ins Rutschen
kommt, wären phlegmatische Gleichgültigkeit auf
breiter Basis die Folgen.
Die deutsche Wirtschaftsleistung würde stetig absinken,
das Grundeinkommen bald schon nicht mehr bezahlbar
sein.
3.
Nachteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Vergraulung
der Eliten
Je
teurer ein Sozialsystem kommt, desto mehr muss die
Arbeitsleistung anderer umverteilt werden. Dies kann zur
allgemeinen Demotivation am Arbeitsplatz führen, weil
persönlicher Einsatz nicht mehr angemessen entlohnt
wird.
Eine
Finanzierung des Grundeinkommens über hohe Lohnsteuern
wird sich in diesem Sinne als besonders schädlich
herausstellen. So kann es schnell zu einer
verhängnisvollen Wanderbewegung kommen: Die Strebsamen
und Eliten zieht es ins Ausland (wo deren Leistung weit
besser honoriert wird), während die Bequemen und
Schwachen es sich im Wohlfahrtsparadies einrichten.
Diese
negative Selektion kann auch ein moderner Industriestaat auf
Dauer nicht verkraften. Das Modell des Grundeinkommens
müsste scheitern und würde wieder abgeschafft -
doch die Wirtschaft bleibt nach diesem misslungenem
Experiment auf lange Zeit ruiniert, auch weil die ehemals
vergraulten Leistungsträger nur in Ausnahmefällen
zurückkehren werden.
4.
Nachteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Alle
wollen ins Schlaraffenland!
Schon
heute zieht es Armutsflüchtlinge und
Wirtschaftsasylanten bevorzugt nach Deutschland. Was
geschieht aber, wenn ein deutsches Grundeinkommen weltweit
bekannt und unser Land als real existierendes
Schlaraffenland wahrgenommen wird? Wie will man die
Zuwanderungen von außen stoppen? Ohne Klärung
dieses Problems wird man kaum ein Grundeinkommen
einführen können (es sei denn, es würde
gleichzeitig überall in der Welt
durchgesetzt).
5.
Nachteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Abbau
der Sozialhilfen
Da
ein bedingungsloses Grundeinkommen auf aktuellem
Hartz-IV-Niveau unbezahlbar ist, müssen allgemeines
Anspruchsdenken und die Höhe des angeblichen
Existenzminimums zurückgeschraubt werden. Jegliche
Sonderleistungen werden entfallen müssen. Jeder
Bundesbürger muss dann selbst sehen, wie er mit seinem
niedrigen Grundeinkommen Miete und Heizung bezahlt. Tafeln
und Kleiderkammern werden womöglich geschlossen, alle
Arten von Beihilfen und Zuschüssen abgeschafft. Das
bedeutet also für alle Erwerbslosen erhebliche
Wohlstandseinbußen. Wer hier etwas anderes verspricht,
macht sich und anderen etwas vor. Verteilt werden kann nur
das, was vorher erwirtschaftet wurde.
6.
Nachteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Ablenkung
von den eigentlichen Fehlentwicklungen
Wie
kann man berechtigte Kritik am kapitalistischen System am
besten ausschalten? Ganz klar - indem man die ärgsten
Kritiker mit utopischen Phantasien beschäftigt.
Zu diesen Phantasien gehören Radikalreformen wie
Bodenreformen (Rückführung aller Grundstücke
in Staatsbesitz), Freigeld-Theorien, Zinsverbote und auch
das bedingungslose Grundeinkommen.
Solange
mit aller Inbrunst sich über derlei ferne
Zukunftsvisionen gestritten wird, bleiben die großen
aktuellen politischen Fehlentscheidungen (Globalisierung,
EU, Euro, ungezügelte Zuwanderung, Asylmissbrauch usw.)
aus der Schusslinie.
Die schärfsten und lautstärksten Kritiker lockt
man geschickt in die Abseitsfalle (die breite
Bevölkerung kann mit den Radikalreformen kaum etwas
anfangen) und kann ungeniert weitermachen wie bisher.
Einfach clever, dieses Ablenkungsmanöver.
Würden
sich die streitbaren Visionäre dagegen mehr der
Realpolitik zuwenden (zum Beispiel über den Zollabbau
diskutieren =
kapitalistisches
Ermächtigungsgesetz),
dann wären die Pfründe der Konzerne, Spekulanten
und Abzocker in akuter Gefahr.
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Manfred J. Müller, Flensburg
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Manfred
Julius Müller
analysiert
seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten
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