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Staat,
Recht und Moral
am Beispiel des Konjunkturprogramms
von
Manfred Julius Müller
Wie
gerecht ist das aktuelle Konjunkturprogramm?
Der
Staat steckt in der Krise - wieder einmal. Die schlimmste
Depression seit 1929 hat in der total verflochtenen Welt
schnell um sich gegriffen und alle Staaten und Kontinente
erreicht. Viele Politiker merken erst jetzt, was sie
mit ihrem Liberalisierungswahn und Zollabbau
letztlich angerichtet haben.
Fast
alle Regierungen befinden sich in einer beispiellosen
Notlage: Die unkontrollierbare Abhängigkeit und
Verquickung aller Volkswirtschaften miteinander macht
eine Einschätzung der Lage schier unmöglich. Auch
die besten Experten stochern nur im Nebel und können
keine zuverlässigen Prognosen über den weiteren
Verlauf der Krise abgeben.
Was
tun in einer solche Notsituation? Wie lässt sich
verhindern, dass das Desaster ähnliche Dimensionen
annimmt wie vor 80 Jahren, als beginnend mit dem New Yorker
Börsencrash die wirtschaftliche Welt
zusammenbrach?
Dass
man in den wichtigsten Schaltzentralen der politischen Macht
schnell reagiert und mit gigantischen Geldmitteln den
globalen Finanzcrash verhindert hat scheint legitim, auch
wenn die Moral dabei auf der Strecke blieb. Denn es waren ja
gerade die Banken, die sich in den Jahrzehnten zuvor so
ungehemmt an der Globalisierung bereichert haben und
jährlich immens hohe Milliardengewinne
einfuhren.
Und
nachdem sich nun so viele Banker und Spekulanten jahrelang
in unverschämtester Weise bedient haben, soll der
kleine Mann, der brave Steuerzahler, wieder einmal die Zeche
zahlen. Einige wenige angestellte Investmentbanker kamen (in
den USA) in guten Zeiten samt Boni auf ein Jahresgehalt von
über 1 Milliarde Dollar, zigtausende strichen
jährlich immerhin einige Millionen ein. Das ganze
System dieser professionellen Zockerei kann man eigentlich
nur als kriminell bezeichnen, weil die Prämien
vorschnell ausgezahlt wurden (bevor die Gewinne durch
Verkauf der Investments tatsächlich realisiert
wurden).
Höchst unmoralisch auch, dass bei positiven
Abläufen zwar Boni kassiert wurden, bei späteren
Verlusten aber keine echte Haftung bzw. Verrechnung
vorgesehen war.
Eigentlich
hätten die staatlichen Aufsichtsbehörden ein
derartiges Treiben schnell untersagen müssen. Sie taten
es nicht aus Angst, die heimische Bankenwirtschaft
könnte darunter leiden und vom internationalen
Wirtschafts- und Finanzgeschäften ausgegrenzt werden.
Ein kollektiver Zwang also - der Fluch der
Globalisierung.
Ist
das zweite Konjunkturprogramm gerechtfertigt?
Die
wirtschaftlichen Prognosen für die nächsten Jahre
verdüsterten sich weiter trotz der großen
Banken-Rettungsaktion und so wunderte es nicht, dass auch in
Deutschland ein zweites Konjunkturpaket für nötig
befunden wurde.
Schwerpunkt sollte diesmal nicht die Finanzwelt sein,
sondern die absturzbedrohte Wirtschaft. Viele Milliarden
sollen jetzt in den Ausbau und die Renovierung von Schulen,
öffentlichen Gebäuden und in die Sanierung des
Straßennetzes gesteckt werden - natürlich auf
Pump. Vom Prinzip her aber dennoch eine durchaus
vernünftige Angelegenheit, weil das hier verwendete
Geld eine sinnvolle Zukunftsinvestition darstellt.
Auch
die Förderung des Konsums über eine Absenkung der
Lohnsteuern und Krankenversicherungsbeiträge darf
getrost gutgeheißen werden, weil hier das Prinzip der
Gerechtigkeit nicht nur gewahrt, sondern sogar noch
verbessert wird (weil die perverse Schlechterstellung
der Arbeitskosten
gegenüber dem Kapital ein klein wenig gemildert
wird).
Was
aber meines Erachtens gar nicht geht ist die
Abwrackprämie in Höhe von 2500 Euro für
über neun Jahre alte Autos. Die Beweggründe der
Initiatoren sind sicher ehrenwert: Es ist wieder einmal die
schiere Angst, die hinter diesen seltsamen Geldgeschenken
steckt!
Die Autoindustrie steht als Schlüsselindustrie seit
jeher im Fokus des Wirtschaftsgeschehens. Wenn hier der
Absatz dramatisch einbricht, kann die Stimmung in der
Bevölkerung schnell kippen und eine allgemeine
Panikstimmung aufkommen.
Aber:
Die Gerechtigkeit bleibt dabei völlig auf der
Strecke!
1.
Ist es fair, den Besitzern der über 9 Jahre alten Autos
großzügig etwas zukommen zu lassen, den anderen
Autobesitzern aber nicht. Wird hier nicht wieder das
Gleichheitsprinzip vergewaltigt? Ist der Besitzer eines acht
Jahre alten Autos ein schlechterer Mensch?
2.
Das Geld kommt nicht vom Himmel, es wird anderen
abgeknöpft. Letztlich bezahlen die Besitzer eines
jüngeren Autos mit ihren Steuergeldern den
einseitigen Geldsegen.
3.
Ist es okay, dass der Besitzer eines zehn Jahre alten Autos
für seine Schrottkiste mehr abkassiert als ein anderer
beim Verkauf seines viel besseren Autos jüngeren
Datums? Werden da nicht auch Wertmaßstäbe in
unzumutbarer Weise auf den Kopf gestellt?
4.
Ist es moralisch vertretbar, die Verbreitung eines
ökologisch sehr bedenklichen Luxusgutes aus der
staatlichen Schuldenkasse zu fördern? Viele der
Altautos wären vielleicht ersatzlos verschrottet
worden, ohne dass sich die Besitzer einen Ersatz zugelegt
hätten. Nun werden diese Leute animiert, weiterhin am
Auto (oder Zweitauto) festzuhalten.
Aber
davon einmal ganz abgesehen, kann diese merkwürdige
Abwrackhilfe wirklich helfen? Die Wahrscheinlichkeit ist
groß, dass überwiegend die Hersteller
günstiger ausländischer Kleinwagen davon
profitieren (wer ein über neun Jahre altes Auto
fährt, kann sich einen deutschen Neuwagen trotz
Prämie selten leisten).
Und
wird durch eine solche Sonderprämie nicht ein
künstliches Strohfeuer erzeugt, dass im
Anschluss eine Kaufzurückhaltung hervorruft. Denn
nach Ablauf der Aktion (600.000 Prämien werden
ausgezahlt) hofft die Bevölkerung vielleicht auf
weitere Aktionen. Allgemein wird eine unheilvolle
Erwartungshaltung geschürt. Auch die Besitzer
jüngerer Autos könnten sich mit einem Neukauf
zurückhalten, weil womöglich auch einmal etwas
für sie abfällt. Sie könnten teilweise in
Lauerstellung verharren und ihre Autos länger fahren,
weil sie auch einmal zu den Gewinnern zählen
möchten (und nicht ein sieben Jahre altes Auto für
2000 Euro abgeben, wofür der Nachfolgebesitzer nach
zweijähriger Nutzung dann noch 2500 Euro abkassiert).
Außerdem:
Wer sein Geld für ein neues Auto ausgibt, muss an
anderer Stelle sparen. Der Konsum wird vermutlich nicht
angestachelt, sondern nur in eine bestimmte Richtung
gelenkt. Statt zum Beispiel im eigenen Haus notwendige
energiesparende Renovierungen durchzuführen (wovon die
örtlichen Handwerker profitieren), wird ein
ausländisches Auto angeschafft. Ergibt sich daraus
wirklich eine positive Umwelt- oder
Beschäftigungsbilanz?
Das
vorzeitige Verschrottung von Altautos kommt einer staatlich
geförderten Vernichtung von Volksvermögen gleich.
Zudem werden nicht selten Leute zur Verschuldung animiert,
die sich eigentlich gar kein Auto leisten
könnten.
Der
Erfolg der Abwrackaktion ist also in jeder Hinsicht
höchst zweifelhaft, eigentlich sogar
unwahrscheinlich, auch wenn zunächst einmal die
Verkaufszahlen anschnellen werden.
Legitim
ist nur, was moralisch vertretbar ist!
Auch
beim Konjunkturprogramm sollte gelten, dass nur solche
Maßnahmen ergriffen werden, die das normale
Gerechtigkeitsgefühl nicht verletzen. Eine Regierung,
die willkürlich erscheinende Maßnahmen ergreift,
zersetzt die Moral in der Gesellschaft und untergräbt
das Gefühlsempfinden für Recht und Ordnung.
Ein
solcher Staat demontiert sich auf Dauer selbst. Er vergrault
die Eliten und verstärkt den allgemeinen Egoismus. Er
untergräbt das eigene Verantwortungsgefühl und
fördert die allgemeine Erwartungshaltung gegenüber
dem Staat. Jeder ist sich schließlich selbst der
nächste und versucht das Bestmögliche aus diesem
System herauszuholen.
Leider
gibt es für diesen unseligen Trend auch noch andere
Beispiele:
Arm
durch Arbeit. Sind viele Arbeitnehmerhaushalte schlechter
dran als Hartz-IV-Familien?
Warum
wird die Arbeit so hoch belastet, der Kapitaleinsatz aber
subventioniert?
Die
paradoxe Entwicklung der
Reallöhne.
Seit 30 Jahren steigt die Produktivität, aber die
Arbeitseinkommen sinken.
Warum
wird kaum etwas gegen Steueroasen
unternommen?
Eingangsseite
mit Menueleiste www.grundeinkommen-buergergeld.de
Impressum
©
Manfred J. Müller, Flensburg, Januar 2009
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die
Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue
Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.
Interessant
sind sicher auch folgende Spezialthemen: Reichensteuer,
Protektionismus,
Mehrwertsteuersenkung,
Exportweltmeister,
Bankenkrise,
Biogas,
Globalisierung,
Pendlerpauschale,
soziale
Marktwirtschaft,
Pressefreiheit,
Generation
Praktikum,
Agenda
2010,
Konjunkturprogramm,
Demokratie,
Liberalismus,
Globalisierung,
Kommunismus,
Umweltschutz,
Liberalismus,
Lkw-Maut,
Entglobalisierung,
Sozialreformen,
Grundeinkommen,
Neoliberalismus,
Globalisierungskritik,
Bundestagswahlen,
Mehrwertsteuer,
Kapitalismus,
Ökosteuer,
Weltwirtschaftskrise
1929,
Scheindemokratie,
Volkswirtschaftslehre,
Bildungsoffensive,
Kinderarmut,
Lohnnebenkosten,
Milchpreis,
Mindestlohn,
Sozialstaat,
Marktwirtschaft,
Exportweltmeister,
Mehrwertsteuererhöhung,
Definition
Globalisierung,
China,
Kombilohn.
Falls
Sie gerne fotografieren empfehlen wir www.versandhaus-foto-mueller.de.
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