"Wir brauchen unbedingt mehr Einwanderer!"

 

Für das Gros unserer Meinungsbildner ist die Sache sonnenklar: "Wir brauchen unbedingt mehr Zuwanderer" verkünden sie, sobald sich eine Gelegenheit dazu bietet.
Unzählige Male habe ich mich schon über entsprechende Äußerungen in den großen politischen Fernsehtalkshows geärgert. Geärgert vor allem auch deshalb, weil eine Begründung immer ausblieb. Und die hätte mich dann doch interessiert.

Wieso eigentlich ist es unabdingbar, dass eines der dichtbesiedelsten Länder der Erde Zuwanderer braucht? Zumal immerhin schon über 20 % der 82 Millionen Einwohner einen Migrationshintergrund haben. Ist es wirklich unerlässlich, dass dieser Anteil auf 30, 40 oder gar 50 Prozent steigt?

 

Einwanderung nach Deutschland:
"Aber unser Volk stirbt doch sonst aus!"
Die vielen Wegbereiter für eine Ausweitung der Einwanderung haben es tatsächlich verstanden, der Bevölkerung vorzugaukeln, ohne Zuwanderung würden "die Deutschen" allmählich aussterben.
Dabei gibt es Staaten mit größerer Bodenfläche, die nicht einmal über ein Zehntel der Einwohner im Vergleich zu Deutschland verfügen. Schweden etwa zählt nur sieben Millionen, Neuseeland gar nur vier Millionen Einwohner. Geraten diese Staaten angesichts ihrer geringen Bevölkerungsdichte in Panik?

Nein, es scheint vielmehr, dass sie froh darüber sind. Denn je mehr die fossilen Energiereserven zur Neige gehen und Nahrungsmittel wegen der globalen Bevölkerungsexplosion knapper werden, desto wertvoller erweist sich eine hohe landwirtschaftliche Nutzfläche pro Einwohner (zum Vergleich: Deutschland 0,2 ha, USA 1,4 ha pro Kopf).

Es wäre also alles andere als eine Katastrophe, wenn die Bevölkerungszahl unseres Landes in den nächsten drei Jahrzehnten auf 70 Millionen schrumpfen würde. Unser Land hätte dann noch immer fast die 20fache Bevölkerungsdichte wie Neuseeland, die doppelte wie Frankreich usw.

 

Einwanderung nach Deutschland:
"Aber wir brauchen doch auch die Arbeitskräfte ..."
Es ist schon recht makaber so zu tun, als bräuchten wir bei den vielen Millionen Arbeitslosen, 1-Euro-Jobbern, Zeitarbeitern, Vorruheständlern usw. unbedingt Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Was ein moderner Staat immer gebrauchen kann sind hochausgebildete Spitzenkräfte. Aber gerade diese verirren sich selten in unser Land - zum einen wegen der Sprachbarriere (deutsch ist nun einmal keine Weltsprache) und zum zweiten auch wegen der verhältnismäßig schlechten Bezahlung bei hohen Abgaben.

Und die Steuern und Abgaben wiederum müssen so hoch sein, weil der weltoffene deutsche Sozialstaat im internationalen Vergleich sehr großzügig ist, vor allem was die Versorgung von zugereisten Migrationsfamilien mit schlechtem Bildungshintergrund betrifft.

 

Einwanderung nach Deutschland:
Einfache Arbeitsplätze gibt es in Deutschland viel zu wenig!
Irgendwie beißt sich die Katze immer wieder in den Schwanz. Gerade weil die Steuern und Abgaben recht hoch sind (wegen des teuren Sozialstaates) wurden zehn Millionen einfache Arbeitsplätze wegrationalisiert oder ins Ausland exportiert.

Viele schlecht ausgebildete Zuwanderer haben hier also absolut keine Chance, einen fair bezahlten Arbeitsplatz zu erhaschen. Sie müssen vom Sozialstaat ausgehalten werden und verdingen sich nicht selten als Schwarzarbeiter (unterwandern damit die reguläre Wirtschaft).

 

Einwanderung nach Deutschland:
"Aber die Ausländer wurden doch von den Deutschen ins Land geholt ..."
Je größer die Erklärungsnot, desto vehementer wird auf die Rolle der Gastarbeiter in den 50er und frühen 60er Jahren verwiesen. Aber auch hier bringt man vieles durcheinander.

Erstens haben nicht die Deutschen nach Gastarbeitern verlangt, sondern Unternehmer, die den Hals nicht voll kriegen konnten und immer mehr produzieren wollten. Volkswirtschaftlich gesehen war der durch zusätzliche Arbeitskräfte künstlich angeheizte Boom alles andere als nützlich.

Eine intakte Marktwirtschaft ist immer noch das beste Regulativ. Sind Arbeitskräfte zu knapp, steigen die Löhne. Das zieht höhere Warenpreise nach sich, wodurch der überhitzte Exportmotor ganz von allein etwas abkühlt. Unsere dauerhafte verhängnisvolle Abhängigkeit vom Export resultiert zum Teil aus den Fehlern dieser Wirtschaftswunderjahre.

Aber davon einmal ganz abgesehen: Viele der damals von der Industrie herbeigelockten Gastarbeiter hat es am Ende des Booms bereits wieder in ihre alte Heimat verschlagen.
Die meisten der heutigen Einwohner mit Migrationshintergrund sind viel später, nämlich zu Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, nach Deutschland geströmt.

 

Deutschland braucht mehr einfache Arbeitsplätze!
Seit 40 Jahren heißt es bei uns gebetsmühlenartig, wir müssen mehr Geld in die Bildung stecken. Am liebsten würden Bildungsfanatiker aus jedem Bundesbürger einen Akademiker machen. Aber wohin soll das führen?

Das Problem ist doch, dass durch ein idiotisches Abgabensystem, welches die Arbeit gegenüber dem Kapital einseitig benachteiligt, einfache Tätigkeiten wegrationalisiert oder ins Ausland verdrängt wurden. Würde die Abgabenlast allgemein gesenkt und die Sozialversicherungen über die Mehrwertsteuer finanziert, gäbe es auch für Ungelernte und Hauptschüler genügend Jobs.

Die Politik der früheren Bundesregierungen und der von den Medien entfachte Multikultitrip lösten eine Einwanderungswelle nach Deutschland aus. Niemand kann es arbeitslosen Menschen aus armen Ländern verdenken, wenn sie hier ihr Heil suchten. Viele dieser Migranten hat man leider sträflich im Stich gelassen und all diejenigen, die keine Beschäftigung fanden, mit Sozialhilfen ruhig gestellt.

Aber Sozialhilfen sind auf Dauer entwürdigend, die Menschen wollen hier eine neue Heimat finden und dafür brauchen sie eine anständig entlohnte Arbeit.

 

Eine Niedertracht ohnegleichen
Ich halte das ganze Vorgehen für höchst unanständig und erbärmlich. Wenn man schon eine Einwanderungspolitik betreibt, dann hat man auch die verdammte Pflicht, für ein gutes Arbeitsplatzangebot zu sorgen. Ausländer in ein Land mit hoher Arbeitslosigkeit zu locken, halte ich für höchst verwerflich.

Deshalb mein Appell an die hohe Politik:
Sorgt bitte dafür, dass wieder genügend Arbeitsplätze im einfachen Bereich neu entstehen - entweder durch eine Umfinanzierung der Sozialsysteme (Finanzierung über die Mehrwertsteuer) oder aber durch eine Anhebung der Zölle.
Wenn man nicht den Mut aufbringt, einen dieser beiden Schritte zu gehen, dürften auch keine weiteren Ausländer mit einfacher Ausbildung in unseren Sozialstaat aufgenommen werden.

 

Den Ausländern dürfen langfristig keine einfachen Arbeiten zugeteilt werden ...
Kein vernünftiger Mensch wird behaupten wollen, Ausländer aus Armutsländern seien prinzipiell dümmer oder leistungsschwächer als Deutsche. Ein derartig abgehobener Rassenwahn gehört gottseidank der Vergangenheit an. Wenn nun in diesem Aufsatz immer wieder die Rede ist von einfacheren Tätigkeiten für Migranten, so liegt das einfach in der Tatsache begründet, dass Zuwanderer in der Regel über eine geringe berufliche Qualifikation verfügen. Hinzu kommen dann noch erhebliche Sprachschwierigkeiten.

Erst die nachfolgenden Migrantengenerationen können sich von diesen Handicaps lösen, höhere Schulen besuchen und sich hocharbeiten. Voraussetzung für eine solch positive Entwicklung sind intakte Familienverhältnisse und vernünftige Arbeitsplätze zumindest für einen Elternteil.
Migrantenkinder, die im Hartz-IV-Millieu aufwachsen müssen, haben eine miserable Zukunftsperspektive und nur geringe Chancen auf eine berufliche Karriere.

 

Warum diese Panik?
Gerade lese ich einen groß aufgemachten Zeitungsartikel, in dem über den Bevölkerungsrückgang in Deutschland gehadert wird. Der aufrüttelnde Text wird unterstützt durch eine Grafik, wonach Deutschland 1997 auf 82,06 Millionen Einwohner kam und im Jahr 2007 auf 82,22 Millionen. Dies bedeutet also eine Steigerung, wenn auch eine geringfügige. Die Grafik ist tituliert mit den Worten "Deutschland schrumpft". Was soll diese Irreführung?

Aber es kommt noch dicker: In einer Kurve wird die Zuwanderung dargestellt, die im Jahr 2007 auf 44.000 zurückgegangen ist. Nur im Kleingedruckten wird eingestanden, dass es sich bei den Zahlen um das errechnete Saldo aus Aus- und Einwanderung handelt. Nur wer diesen winzigen Hinweis nicht übersieht merkt überhaupt, wie irreführend diese Kurve ist.
Die Zuwanderung wird mit Tricks kleingerechnet und verniedlicht, die hohe Zahl der deutschen Auswanderer wird verheimlicht.

Dabei bergen diese Zahlen so viel Zündstoff: Es ist doch wirklich fatal, wenn überwiegend hochqualifizierte Deutsche ihr Land verlassen und "als Ersatz" dafür meist schlecht ausgebildete und kaum deutsch sprechende Ausländer nachrücken.

Die Frage ist doch, warum verlässt die deutsche Elite unser Land? Und wer einmal die vielen Fernsehsendungen verfolgt wie etwa "Goodbye Deutschland", der erfährt, dass es nicht nur um die hohen Abgaben hierzulande geht, sondern auch um das allgemeine Umfeld. Viele Deutsche fühlen sich im eigenen Multikultiland nicht mehr heimisch und es ist ihnen hier alles zu beengt, zu übervölkert und zu stressig.

 

In nur 12 Jahren (von 1999-2011) ist die Weltbevölkerung um eine Milliarde angestiegen (von 6 auf 7 Milliarden Menschen).
Hat das dichtbesiedelte Deutschland eine internationale Verpflichtung, die verantwortungslose Vermehrungspolitik anderer Staaten auszugleichen (also Armutsflüchtlinge aus anderen Ländern aufzunehmen)?

Schon heute gibt es in vielen deutschen Großstädten bei den unter 40-Jährigen mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Einheimische. Wenn das so weiter geht, werden die Deutschen zur geächteten Minderheit im eigenen Land.

 

Nichts gegen Ausländer...
Das Thema Zuwanderung ist emotional sehr aufgeladen und Meinungsäußerungen werden leicht mißverstanden oder fehlinterpretiert. Dies führt dazu, dass kaum ein Journalist oder Politiker sich traut, die vorhandene Problematik offen anzusprechen. Man verschanzt sich stattdessen gerne hinter beschwichtigenden Standardformulierungen und beschwört "Deutschland brauche unbedingt Zuwanderer".

Solche Sätze klingen edel und gut, man gibt sich weltoffen und schleimt sich bei den abermillionen Migrationsfamilien prima ein (das bringt viele Wählerstimmen). Aber tut man den Zuwanderern mit diesen scheinheiligen Schmeicheleinheiten wirklich einen Gefallen?

Mit solch einer Verdrängungsrhetorik kommt die Politik keinen Schritt voran, die Probleme stauen sich nur auf. Deutlich wird dies zum Beispiel an der hohen Quote von Migrantenkindern, die keinen Hauptschulabschluss schaffen, an der überproportional hohen Kriminalitätsrate bei Ausländern, an der wachsenden Zahl derjenigen, die sich im Gastland nicht richtig integrieren wollen und in ihrem oft berechtigten Frust auf die "Scheiss-Deutschen" schimpfen.

Was ist, wenn der Sozialstaat durch die offene Einwanderungspolitik - gekoppelt mit dem Starrsinn, auf Einfuhrzölle oder mehrwertsteuerfinanzierte Sozialsysteme weitgehend zu verzichten - in die Katastrophe schlittert?
Man muss befürchten, dass dann eines Tages rechte Scharfmacher die Notlage nutzen und hart durchgreifen.

Wer mir Ausländerfeindlichkeit unterstellen möchte, bloß weil ich das Unheil kommen sehe und die Probleme offen anspreche, sollte sich schämen. Ich könnte es mir wirklich einfacher machen, könnte auch wohlgefällig die weitere Zuwanderung (trotz fehlender Arbeitsplätze) beklatschen und mich als Gutmensch aufspielen.

Nichtsdestotrotz bin auch ich nur ein Mensch, dem Fehler unterlaufen können. Wenn ich mich irgendwie im Ton vergriffen haben sollte, mich ungeschickt ausgedrückt oder gar etwas falsch oder entstellend dargestellt habe, so bitte ich um Nachricht per email unter m. mueller@iworld.de, damit ich eine entsprechende Korrektur vornehmen kann.

Manfred Julius Müller

 

 

PS: Ich kenne sehr viele Migranten, fast alle sind mir sympathisch. Zudem sehe ich es als eine Bereicherung für unser Land und unsere Gesellschaft, wenn Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen und sich hier heimisch fühlen.
Aber der Schuss geht nach hintern los, wenn der Bogen überspannt wird, wenn es zu einer allmählichen Überfremdung und Ghettobildung kommt, vor allem aber, wenn wir den Zuwanderungswilligen keine Arbeitsplätze bieten können und unseren
Sozialstaat überfordern.

 

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© Manfred J. Müller, Flensburg, 2008   

 


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Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlicht tabulose Aufsätze zu brisanten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. die Trilogie "DAS KAPITAL".

 

Im Jahr 2009 kehrten laut Statistischem Bundesamt 734.000 Menschen der Bundesrepublik den Rücken - im gleichen Zeitraum zogen 721.000 Personen aus dem Ausland nach Deutschland.

 

 

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