|
Welche
Vor- und Nachteile bietet ein bedingungsloses
Grundeinkommen?
Die
Beantwortung dieser Kernfrage ist stark abhängig von
der Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens und der
Art der Finanzierung. Werden die derzeit üblichen
Hartz-IV-Sätze als Grundlage angesetzt (wie sie als
Minimum zur Debatte stehen), entstünden für
Deutschland jährliche Gesamtkosten in Höhe von ca.
650 Milliarden Euro an Baranweisungen zuzüglich 280
Milliarden für die Gesundheitsfürsorge (gesamtes
deutsches BIP 2600 Milliarden Euro). Bereits dieses Niveau
scheitert also vermutlich an seiner Finanzierbarkeit.
Aber es gibt viele Enthusiasten, die weit höhere
Grundeinkommen anstreben. Großzügig werden bis zu
1500 Euro pro Monat für jeden verlangt. Derlei
Ansprüche erweisen sich als dermaßen utopisch,
dass wir uns in dieser Analyse gar nicht näher damit
befassen brauchen.
Von
entscheidender Bedeutung erweist sich auch die Art der
Finanzierung des Grundeinkommens. Immer noch halte ich die
von mir bereits Anfang der 1990er Jahre empfohlene
Mehrwertsteuerumlage als bestmöglichen Ansatz
(ergänzend auch höhere Zölle und
Ökosteuern). Eine Gegenfinanzierung über die
Lohnsteuer, wie sie inzwischen auch erwogen wird, scheint
mir weit weniger attraktiv und umsetzbar. Dazu aber mehr im
Text.
1.
Vorteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Höhere
Verteilungsgerechtigkeit - Leistung kann sich wieder lohnen
...
Heute
ist es so, dass über das unsägliche
Hartz-IV-Konzept nicht nur Arbeitslose, sondern auch
Arbeitsscheue ihr Auskommen haben. Vor allem für
Familien mit Kindern
lohnt
sich die Arbeit häufig nicht
mehr,
weil die Hartz-IV-Vollkasko-Fürsorge
großzügig fast alle Bedürfnisse und
Sonderaufwendungen abdeckt. Ein bedingungsloses
Grundeinkommen würde diese Ungerechtigkeit unterbinden
- Arbeitnehmerhaushalten würde es fortan finanziell
niemals schlechter gehen als Hartz-IV-Familien,
2.
Vorteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Weniger
Leistungsdruck!
Wer
sich nicht mehr gezwungen sieht, seinen Lebensunterhalt zu
verdienen, der kann sich freier entfalten. Statt der
üblichen 40-Stunden-Woche werden viele Leute nur noch
20 oder 30 Stunden arbeiten, weil ihnen Freizeit wichtiger
erscheint als zusätzlicher Konsum. Diese
veränderten Lebenseinstellungen erfassen vermutlich
unsere gesamte Gesellschaft - unnötiger Luxus verliert
an Bedeutung, während das Familienleben einen
höheren Stellenwert erlangt.
Arbeit
bringt vielen ehemals Gestressten wieder Spaß, weil
der starre Zwang entfällt. Schlechte Arbeitsbedingungen
werden seltener oder nur noch bei deutlich besserer
Bezahlung akzeptiert. Dabei kommt es vermutlich allgemein zu
einem deutlichen Wandel: die unterbezahlten Bad-Jobs von
heute müssten wesentlich besser entlohnt werden (weil
sie sonst keiner mehr machen würde).
3.
Vorteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Gerechtere
Arbeitsverteilung!
Unser
heutiges System im globalen Dumpinglohnwettbewerb
fördert die verdeckte Massenarbeitslosigkeit. Die
offiziellen Arbeitslosenzahlen werden geschönt, damit
die Menschen auch weiterhin an das schöne Märchen
von der wohlstandsmehrenden Globalisierung und EU (also dem
Abbau der Zölle) glauben.
Würde
man alle
getarnten
Arbeitslosen
mitzählen
- also auch die vielen Millionen Frührentner,
Praktikanten, 1-Euro-Jobber usw., fehlen in Deutschland
mindestens 10 Millionen echte Arbeitsplätze.
Das Grundeinkommen könnte dazu beitragen, Arbeit
gleichmäßiger auf alle Bundesbürger zu
verteilen. Es gäbe kaum noch unfreiwillige Erwerbslose,
dafür würden sich die meisten Beschäftigten
aber für kürzere Wochenarbeitszeiten entscheiden.
Angemerkt sei aber, dass das Arbeitslosenproblem auch auf
andere Weise gelöst werden könnte
(zum
Beispiel über höhere
Zölle).
4.
Vorteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Weniger
Bürokratie!
Die
heutigen Hartz-IV-Gesetze bedingen einen immensen
Verwaltungsaufwand in den Arbeits-, Job- und Sozialcentern.
Hunderttausende Einsprüche gegen Hartz-IV-Bescheide
blockieren zudem Behörden und Justiz.
Das bedingungslose Grundeinkommen würde unsere
Ämter grundlegend entlasten, denn individuelle
Berechnungen entfallen. Jeder Bundesbürger erhält
einen Pauschalsatz, der für alle Aufwendungen reichen
muss (also auch für die Heizung und Miete). Das
bedeutet also mehr Verantwortung für den Einzelnen
(Abkehr vom Hartz-IV-Vollkaskosystem). Jeder ist seines
Glückes Schmied, aufreibende Streitereien mit den
Behörden entfallen.
5.
Vorteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Bessere
Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem
Ausland!
Die
verbesserte Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem
Ausland war für mich der ausschlaggebende Grund,
weshalb ich Anfang der 1990er ein mehrwertsteuerfinanziertes
Grundeinkommen als Denkansatz vorgestellt habe. Denn der
globale Lohndumpingwettbewerb (hauptsächlich
ausgelöst durch den Abbau der Zölle) würde
letztlich zum unabwendbaren Niedergang Deutschlands
führen.
Ein
über die Konsumsteuer getragenes Grundeinkommen stellt
die Parameter neu, weil auch auf Importwaren die
Mehrwertsteuer aufgeschlagen wird. Damit würden also
Importe steuerlich nicht mehr bevorzugt und müssten im
gleichen Maße wie die heimische Produktion den
Sozialstaat erhalten.
Das
Grundeinkommen würde eine Reduzierung der deutschen
Lohnkosten ermöglichen (weil der Lebensunterhalt
bereits über das Grundeinkommen abgedeckt ist).
Würde das Grundeinkommen dagegen ganz oder teilweise
über Lohnsteuern gegenfinanziert (wie mancherorts
gefordert), entfiele dieser entscheidende Vorteil des
Grundeinkommens.
6.
Vorteil eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Einheitliche
Abschaffung der
Sozialversicherungsbeiträge!
Heute
spaltet sich die Arbeitswelt in 1-Euro-Jobs,
400-Euro-Minijobs, sozialversicherungspflichtige
Arbeitsplätze und freiwillig versicherte
Besserverdiener. Dieses ungerechte Dreiklassensystem
würde durch das Grundeinkommen aufgehoben, denn mit dem
monatlichen Pauschalbetrag verbindet sich auch eine
kostenlose Kranken-, Renten- und
Pflegeversicherung.
Der
Wegfall dieser hohen Nebenkosten wäre ein wesentliches
Plus im ausufernden globalen Lohndumpingwettbewerb.
Allerdings sei eingeräumt, dass die Umfinanzierung der
Sozialversicherungen selbstverständlich auch ohne
Grundeinkommen möglich wäre. Man bräuchte nur
schrittweise die
Mehrwertsteuer
erhöhen
und
im Gegenzug die Sozialversicherungsbeiträge
absenken.
Fortsetzung:
Die
Nachteile des Grundeinkommens
Eigenen
Kommentar zu diesem Artikel (Nr. 630)
abgeben?
Eingangsseite
www.grundeinkommen-buergergeld.de
Impressum
©
Manfred J. Müller, Flensburg
Ab
sofort im Internet-Buchhandel lieferbar:
|

Sie
wissen schon alles, Sie sind bestens
informiert?
|
Die
Welt ist anders, als uns vorgegaukelt
wird!
Die
Menschheit wird systematisch verdummt!
Globalisierung und EU funktionieren nicht so, wie
man uns einzureden versucht. Deshalb erleben wir
seit über 30 Jahren einen beispiellosen
Reallohnabstieg trotz stetig steigender
Produktivität.
Wer
dieses merkwürdige Paradoxon und die
Globalisierung verstehen möchte, findet in
meinem Buch "DAS KAPITAL und die Globalisierung"
die entlarvenden Antworten. Ohne falsche
Rücksichtnahmen werden die schlimmsten
politischen Irrtümer und Fehler schonungslos
aufgedeckt und die überfälligen
Korrekturmaßnahmen eingefordert.
Nur Einsicht und Offenheit kann Deutschland (und
die westliche Welt) noch vor dem Untergang
retten!
DAS
KAPITAL
und die
Globalisierung
Plädoyer
für die Entmachtung des Kapitals und die
Rückbesinnung zur
Marktwirtschaft.
Autor Manfred J. Müller, 172 Seiten,
Taschenbuch-Großformat 17x22
cm,
13,50 Euro
Weitere
Infos ...
Bestellung
über www.amazon.de
|
Manfred
Julius Müller
analysiert
seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten
Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen
Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung
beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine
Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher
erschienen, u. a. die
Trilogie
"DAS KAPITAL".
|