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Wie
realistisch ist die Idee vom bedingungslosem
Grundeinkommen?
Ist das Grundeinkommen finanzierbar?
Wäre das Grundeinkommen ein Magnet für
Armutsflüchtlinge aus aller Welt?

Das
Schlaraffenland". Gemälde von Pieter Brueghel dem
Älteren
Pro
und Contra Grundeinkommen und Bürgergeld
Ein
Grundeinkommen für alle?
Gehört
dem bedingungslosen Grundeinkommen die
Zukunft?
von
Manfred Julius Müller
Warum
überhaupt ein bedingungsloses
Grundeinkommen?
Bereits
vor ca. 15 Jahren veröffentlichte ich in Zeitschriften
die Idee eines staatlich gewährten Grundeinkommens
für alle, finanziert über die Mehrwertsteuer. Von
vornherein habe ich dies aber als futuristische Vision
dargestellt, deren Umsetzung in der heutigen Zeit nicht zur
Debatte stehen kann.
Meine
Idee war eine Antwort auf die schon lange
geäußerten Befürchtungen, dass der Welt
durch immer bessere Produktionstechniken allmählich die
Arbeit ausgehe. Eine solche Gefahr sehe ich noch lange
nicht, weil eben mit der verbesserten Produktivität
auch der Wohlstand und die Ansprüche steigen.
Die in einigen Bereichen entfallende Arbeit entsteht in der
Regel an anderer Stelle neu, etwa bei der Herstellung von
Produkten, an die vorher noch keiner gedacht hat (Computer,
Handys, Navigationsgeräte usw.).
Dieser
evolutionäre Prozess vollzieht sich bereits seit
Jahrtausenden, im Großen und Ganzen zum Wohle der
Menschheit. Eine Abkehr dieses Prinzips wird eigentlich erst
erreicht, wenn Androiden soweit ausgereift sind, dass sie
sich selbst reproduzieren können und eine echte
Konkurrenz für den Menschen darstellen. Eine solche
Vision ist aber reine Zukunftsmusik, niemand weiß, ob
es jemals so weit kommt (die Machbarkeit ist immerhin
wahrscheinlich).
Vor
allem kann heute niemand abschätzen, wie das Kapital
auf solche umwälzenden Möglichkeiten reagiert. Das
Kapital funktioniert bislang in einem Kreislauf: Menschen
stellen Produkte her, werden dafür entlohnt und kaufen
mit diesem Geld wiederum andere Produkte. Wenn dieser
Kreislauf nicht mehr existiert, verliert das Kapital seine
Motivation. Wenn nur noch (oder hauptsächlich)
Maschinen und Androiden Produkte herstellen, würde ja
die Menschheit vom Kapital ausgehalten. Eine solch soziale
Einstellung steht aber im krassen Widerspruch zum Kapital,
es wird/kann vermutlich so nicht funktionieren.
Ein
Grundeinkommen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu
können?
Bei
meiner damaligen Präsentation des steuerfinanzierten
Grundgehaltes für alle verfolgte ich noch einen zweiten
wichtigen Aspekt: Die Vision sollte Möglichkeiten
aufzeigen, die Ungleichheiten im Lohndumpingwettbewerb
auszugleichen. Denn wenn jedermann ein Grundgehalt bezieht,
wovon er bereits notdürftig leben kann, darf der
Reallohn (die Lohnkosten) entsprechend niedriger ausfallen.
Der Unterschied zu den Billiglohnländern könnte
deutlich verringert werden.
Bevor
allerdings das Grundgehalt für alle überhaupt
einen Sinn macht, müssten zunächst einmal die viel
naheliegenderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein.
Gemeint ist damit die Umfinanzierung der Sozialkassen
über die Mehrwertsteuer.
Wie im Januar 2007 bereits geschehen, müssten alle paar
Jahre weitere Schritte erfolgen: Also Mehrwertsteuern um 3
bis 4 % anheben, im Gegenzug die Beiträge zur
Krankenversicherung reduzieren. Das Gleiche kann man dann
anschließend mit der Rentenversicherung, Pflege- und
der Arbeitslosenversicherung durchziehen. Durch diese
Lohnkostenreform"
würden die Arbeitskosten in Deutschland also
beständig sinken, gleichzeitig würden die Importe
wegen der steigenden Mehrwertsteuer teurer
werden.
Erst
wenn eine derartige Lohnkostenreform vollendet wäre,
könnte man auf gleichem Wege fortfahren und
allmählich ein allgemeines Grundgehalt für
jedermann (auf niedrigstem Niveau) aufbauen. Am Ende
wären dann spezielle Sozialhilfen usw. weitgehend
überflüssig. Niemand bräuchte sich mehr
arbeitslos melden, niemand müsste arbeiten, wenn er es
nicht wollte. Jeder bräuchte nur soviel tun, wie er zur
Erreichung seines persönlichen Lebensstils
benötigt.
Die
problematischen Verlockungen des
Grundeinkommens...
Das
allgemeine Grundgehalt schafft aber leider auch Probleme,
die zuvor gelöst werden müssten. Die heute
favorisierte allgemeine Zuzugsfreiheit von Ausländern
könnte vermutlich nicht aufrechterhalten werden (es sei
denn, in vielen anderen großen Ländern würde
ebenfalls ein Grundgehalt eingeführt).
Weil ein arbeitsfreies Grundgehalt ansonsten wie ein Magnet
wirken würde und aus allen Ländern Migranten
kämen, um sich hier ein feines Leben zu
machen.
Unbekannt
ist noch, wie sich das Grundgehalt auf den allgemeinen
Arbeitseifer auswirkt. Einerseits trägt das Grundgehalt
sicher dazu bei, die Arbeitswelt zu humanisieren (weil ja
niemand mehr unbedingt arbeiten muss).
Aber der Schuss kann auch nach hinten losgehen. Es kann
durchaus sein, dass sich die Arbeitsmoral im Laufe von
Jahrzehnten stark verschlechtert und es sich immer mehr
Menschen in der sozialen Hängematte bequem machen. Das
würde schließlich zu einer neuen Spaltung der
Gesellschaft führen, die Schere zwischen Arm und Reich
würde größer.
Um
diese Problematik zu minimieren und der Bevölkerung
einen ausreichenden Anreiz zur Arbeitsaufnahme zu bieten,
müsste das Grundgehalt spartanisch niedrig bemessen
sein. Trotzdem kann aber erst ein Praxistest die konkreten
Folgen und Gefahren aufzeigen.
Ist
das bedingungslose Grundeinkommen überhaupt
finanzierbar?
Theorie
und Praxis sind oft Zweierlei. Theoretisch dürfte eine
Finanzierung eines Grundeinkommens keine großen
Schwierigkeiten bereiten, da heute schließlich ja auch
schon ein Gutteil der Bevölkerung über den Staat
und die Sozialkassen finanziert wird (Hartz IV, Renten,
Kindergeld usw.). Die zusätzlichen Aufwendungen an all
diejenigen, die heute völlig leer ausgehen, ergeben
keine echte Mehrbelastung, da es sich nur um eine
Umfinanzierung handelt (entsprechend dem Grundeinkommen
sinkt auch der Reallohn).
Unkalkulierbar
sind aber die schon erwähnten Problemfelder Zuwanderung
und abnehmende Arbeitsmotivation. Was geschieht, wenn immer
mehr Menschen ganz aus dem Arbeitsleben ausscheiden
möchten? Ein zusätzliches Problem ergibt sich aus
der Mehrwertsteuer - je höher sie ausfällt und je
größer die Unterschiede zum benachbarten Ausland,
desto stärker auch die Betrugsanreize. Dieser Gefahr
müsste mit verstärkten Kontrollen entgegengewirkt
werden. Ich bin durchaus für eine Erhöhung der
Mehrwertsteuer im Rahmen der Lohnkostenreform, aber man darf
es natürlich auch nicht übertreiben und muss sich
vorsichtig an die Schmerzgrenze herantasten. Auch
alternative Finanzierungsmodelle (zum Beispiel eine
generelle Lohnsteuer von 40 %) lösen nicht die
Grundprobleme, sondern erhöhen noch die Gefahr der
Vertreibung der Eliten. Es besteht dann noch eher die Gefahr
einer negativen Auslese: Die Hochqualifizierten und
Strebsamen zieht es wegen besser Perspektiven ins Ausland,
die Leistungsschwachen und Bequemen verbleiben.
Die
Diskussion über das Grundeinkommen kommt viel zu
früh!
Hätte
ich Anfang der 1990er Jahre geahnt, wie meine zukunftsferne
Vision von manchen Leuten aufgegriffen, missverstanden und
unbedacht vermarktet wird, hätte ich den Abdruck meiner
diesbezüglichen Artikel sicher verworfen. Denn solange
es noch gute reale Möglichkeiten gibt, die Probleme wie
Massenarbeitslosigkeit, schlechte Reallohnentwicklung, hohe
Staatsverschuldung usw. zu lösen und solange uns die
Arbeit eben nicht ausgeht, schaden utopische
Wunschbegehren.
Unrealistische
Forderungen drängen die wirklich machbaren und
notwendigen Reformen in den Hintergrund &endash; es sind im
Grunde Geisterdiskussionen, die vom wirklich Machbarem
ablenken.
Leserkommentar
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Gleichgewicht zwischen Kapitalmacht und
Mensch...
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Eingangsseite
www.grundeinkommen-buergergeld.de
Impressum
©
Manfred J. Müller, Flensburg
Was
ist ein steuerfinanziertes Grundeinkommen, Grundgehalt oder
Bürgergeld?
Die
Entlastung der Arbeitskosten von den
Sozialversicherungsbeiträgen ist die dringlichste
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Manfred
Julius Müller:
DAS
KAPITAL und der Sozialstaat
Umverteilung
bis zur Perversion? Wann kollabiert das
Sozialsystem?
104
Seiten, Taschenbuch-Großformat 17x22 cm,
nur Euro 7,90.
Hat
der Gesetzgeber nicht längst schon den
Überblick verloren? Wenn es bereits vielen
Hartz-IV-Familien besser geht als entsprechend
großen Doppelverdiener-Haushalten, kann von
sozialer Gerechtigkeit wohl kaum noch die Rede
sein. Das Buch offenbart das ganze Ausmaß der
Perversion unseres Umverteilungssystems - ohne
Rücksicht auf Befindlichkeiten und feigen
Maulkorberlassen.
Fazit: Soll unser Wohlfahrtsstaat erhalten bleiben,
muss er umgebaut werden. Dabei steht das Wie im
Vordergrund dieses
Buches.
Weitere
Infos...
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Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlicht tabulose
Aufsätze zu brisanten Themen. Er entwickelte neue
Wirtschaftstheorien, die weltweit Maßstäbe
setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen
die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im
Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige
Bücher erschienen, u. a. die Trilogie
"DAS KAPITAL".
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