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Wie
realistisch ist die Idee vom bedingungslosem
Grundeinkommen?
Ist das Grundeinkommen finanzierbar?
Wäre das Grundeinkommen ein Magnet für
Armutsflüchtlinge aus aller Welt?
Pro
und Contra Grundeinkommen und Bürgergeld
Ein
Grundeinkommen für alle?
Gehört
dem bedingungslosen Grundeinkommen die
Zukunft?
von
Manfred Julius Müller
Warum
überhaupt ein bedingungsloses
Grundeinkommen?
Bereits
vor ca. 15 Jahren veröffentlichte ich in Zeitschriften
die Idee eines staatlich gewährten Grundeinkommens
für alle, finanziert über die Mehrwertsteuer. Von
vornherein habe ich dies aber als futuristische Vision
dargestellt, deren Umsetzung in der heutigen Zeit nicht zur
Debatte stehen kann.
Meine
Idee war eine Antwort auf die schon lange
geäußerten Befürchtungen, dass der Welt
durch immer bessere Produktionstechniken allmählich die
Arbeit ausgehe. Eine solche Gefahr sehe ich noch lange
nicht, weil eben mit der verbesserten Produktivität
auch der Wohlstand und die Ansprüche steigen.
Die in einigen Bereichen entfallende Arbeit entsteht in der
Regel an anderer Stelle neu, etwa bei der Herstellung von
Produkten, an die vorher noch keiner gedacht hat (Computer,
Handys, Navigationsgeräte usw.).
Dieser
evolutionäre Prozess vollzieht sich bereits seit
Jahrtausenden, im Großen und Ganzen zum Wohle der
Menschheit. Eine Abkehr dieses Prinzips wird eigentlich erst
erreicht, wenn Androiden soweit ausgereift sind, dass sie
sich selbst reproduzieren können und eine echte
Konkurrenz für den Menschen darstellen. Eine solche
Vision ist aber reine Zukunftsmusik, niemand weiß, ob
es jemals so weit kommt (die Machbarkeit ist immerhin
wahrscheinlich).
Vor
allem kann heute niemand abschätzen, wie das Kapital
auf solche umwälzenden Möglichkeiten reagiert. Das
Kapital funktioniert bislang in einem Kreislauf: Menschen
stellen Produkte her, werden dafür entlohnt und kaufen
mit diesem Geld wiederum andere Produkte. Wenn dieser
Kreislauf nicht mehr existiert, verliert das Kapital seine
Motivation. Wenn nur noch (oder hauptsächlich)
Maschinen und Androiden Produkte herstellen, würde ja
die Menschheit vom Kapital ausgehalten. Eine solch soziale
Einstellung steht aber im krassen Widerspruch zum Kapital,
es wird/kann vermutlich so nicht funktionieren.
Ein
Grundeinkommen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu
können?
Bei
meiner Vorstellung des steuerfinanzierten Grundgehaltes
für alle verfolgte ich noch einen zweiten wichtigen
Aspekt: Mit dem Modell sollten die Ungleichheiten im
Standortwettbewerb weiter ausgeglichen werden. Denn wenn
jedermann ein Grundgehalt bezieht, wovon er bereits
notdürftig leben kann, darf der Reallohn (die
Lohnkosten) entsprechend niedriger ausfallen. Der
Unterschied zu den Billiglohnländern könnte
weitgehend aufgelöst werden.
Bevor
allerdings das Grundgehalt für alle überhaupt
einen Sinn macht, müssten zunächst einmal die viel
naheliegenderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein.
Gemeint ist damit die Umfinanzierung der Sozialkassen
über die Mehrwertsteuer.
Wie im Januar 2007 bereits geschehen, müssten alle paar
Jahre weitere Schritte erfolgen: Also Mehrwertsteuern um 3
bis 4 % anheben, im Gegenzug die Beiträge zur
Krankenversicherung reduzieren. Das Gleiche kann man dann
anschließend mit der Rentenversicherung, Pflege- und
der Arbeitslosenversicherung durchziehen. Durch diese
Lohnkostenreform"
würden die Arbeitskosten in Deutschland also
beständig sinken, gleichzeitig würden die Importe
wegen der steigenden Mehrwertsteuer teurer
werden.
Erst
wenn eine derartige Lohnkostenreform vollendet wäre,
könnte man auf gleichem Wege fortfahren und
allmählich ein allgemeines Grundgehalt für
jedermann aufbauen. Am Ende wären dann spezielle
Sozialhilfen usw. weitgehend überflüssig. Niemand
bräuchte sich mehr arbeitslos melden, niemand
müsste arbeiten, wenn er es nicht wollte. Jeder
bräuchte nur soviel tun, wie er zur Erreichung seines
persönlichen Lebensstils benötigt.
Die
problematischen Verlockungen des
Grundeinkommens...
Das
allgemeine Grundgehalt schafft aber leider auch Probleme,
die zuvor gelöst werden müssten. Die heute
favorisierte allgemeine Zuzugsfreiheit von Ausländern
könnte vermutlich nicht aufrechterhalten werden (es sei
denn, in vielen anderen großen Ländern würde
ebenfalls ein Grundgehalt eingeführt). Weil ein
arbeitsfreies Grundgehalt ansonsten wie ein Magnet wirken
würde und aus allen Ländern Migranten kämen,
um sich hier ein feines Leben zu machen.
Unbekannt
ist noch, wie sich das Grundgehalt auf den allgemeinen
Arbeitseifer auswirkt. Einerseits trägt das Grundgehalt
sicher dazu bei, die Arbeitswelt zu humanisieren (weil ja
niemand mehr unbedingt arbeiten muss).
Aber der Schuss kann auch nach hinten losgehen. Es kann
durchaus sein, dass sich die Arbeitsmoral im Laufe von
Jahrzehnten stark verschlechtert und es sich immer mehr
Menschen in der sozialen Hängematte bequem machen. Das
würde schließlich zu einer neuen Spaltung der
Gesellschaft führen, die Schere zwischen Arm und Reich
würde größer.
Um
diese Problematik zu minimieren und der Bevölkerung
einen ausreichenden Anreiz zur Arbeitsaufnahme zu bieten,
müsste das Grundgehalt spartanisch niedrig bemessen
sein. Trotzdem kann aber erst ein Praxistest die konkreten
Folgen und Gefahren aufzeigen.
Ist
das bedingungslose Grundeinkommen überhaupt
finanzierbar?
Theorie
und Praxis sind oft Zweierlei. Theoretisch dürfte eine
Finanzierung eines Grundeinkommens keine großen
Schwierigkeiten bereiten, da heute schließlich ja auch
schon ein Gutteil der Bevölkerung über den Staat
und die Sozialkassen finanziert wird (Hartz IV, Renten,
Kindergeld usw.). Die zusätzlichen Aufwendungen an all
diejenigen, die heute völlig leer ausgehen, ergeben
keine echte Mehrbelastung, da es sich nur um eine
Umfinanzierung handelt (entsprechend dem Grundeinkommen
sinkt auch der Reallohn).
Unkalkulierbar
sind aber die schon erwähnten Problemfelder Zuwanderung
und abnehmende Arbeitsmotivation. Was geschieht, wenn immer
mehr Menschen ganz aus dem Arbeitsleben ausscheiden
möchten? Ein zusätzliches Problem ergibt sich aus
der Mehrwertsteuer - je höher sie ausfällt und je
größer die Unterschiede zum benachbarten Ausland,
desto stärker auch die Betrugsanreize. Dieser Gefahr
müsste mit verstärkten Kontrollen entgegengewirkt
werden. Ich bin durchaus für eine Erhöhung der
Mehrwertsteuer im Rahmen der Lohnkostenreform, aber man darf
es natürlich auch nicht übertreiben und muss sich
vorsichtig an die Schmerzgrenze herantasten.
Die
Diskussion über das Grundeinkommen kommt zu
früh!
Hätte
ich Anfang der 1990er Jahre geahnt, wie meine zukunftsferne
Vision von manchen Leuten aufgegriffen, missverstanden und
unbedacht vermarktet wird, hätte ich den Abdruck meiner
diesbezüglichen Artikel sicher verworfen. Denn solange
es noch gute reale Möglichkeiten gibt, die Probleme wie
Massenarbeitslosigkeit, schlechte Reallohnentwicklung, hohe
Staatsverschuldung usw. zu lösen und solange uns die
Arbeit eben nicht ausgeht, schaden utopische Wunschbegehren
nur.
Unrealistische
Forderungen drängen die wirklich machbaren und
notwendigen Reformen in den Hintergrund &endash; es sind im
Grunde nur Geisterdiskussionen, die vom wirklich Machbarem
ablenken.
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Warum
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©
Manfred J. Müller, Flensburg
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Inzwischen sind
auch einige Bücher erschienen, u.a.
"Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das
neue Wirtschaftswunder", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.
Interessant
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seit
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